Die Manege als
Lebensweg.
Werner Winter war ein Mann, der Träume nicht nur träumte, sondern sie lebte. Seine Lebensgeschichte ist ein faszinierendes Abenteuer voller Mut, tiefer Tierliebe und unvergesslicher Manegen-Magie.
Der Ruf der Manege
Geboren am 24. Juli 1924 im aargauischen Kaisten, wuchs Werner Winter als drittältestes von acht Kindern in einer Grossfamilie auf. Schon als kleiner Junge faszinierten ihn Tiere und die glitzernde Circuswelt. Im Alter von 16 Jahren passierte das wegweisende Ereignis: In Brugg besuchte er eine Vorstellung des Schweizer National-Circus Knie. Vom Fleck weg stand für ihn fest: Das ist meine Welt. Nach seiner Heimkehr packte er seine Sachen, um dem Circus zu folgen.
Der jüngste Raubtierdompteur der Welt
Sein Weg nach oben begann ganz unten. Werner Winter schuftete als Zeltbauer, Requisitenaufsteller und Platzanweiser. Doch sein feines Gespür für Tiere blieb nicht unbemerkt. Bald arbeitete er als Tierpfleger für Elefanten und Kamele. Seine wahre Berufung fand er jedoch bei den grossen Katzen und der weltberühmte Raubtierdompteur Roger Spessardy wurde sein grosser Lehrmeister.
Mit gerade einmal 19 Jahren stand er als Raubtierdompteur – damals noch «Tierbändiger» genannt – mit einer eigenen Show in der Manege. Zu dieser Zeit war er:
- Der einzige Schweizer Raubtierdompteur
- Der jüngste Raubtierlehrer Europas
- Wahrscheinlich der jüngste Dompteur weltweit
Europas Tarzan und die bedingungslose Tierliebe
Das Publikum feierte ihn als «Europas Tarzan» und er trat in seiner Laufbahn in vielen Circus Dynastien auf. Doch abseits des Applauses zeigte sich Winters wahre Grösse. Seine Liebe zu Löwen, Tigern, Geparden, Leoparden und Panthern war grenzenlos. Es war keine Seltenheit, dass er nachts im Käfig bei seinen Tieren schlief. War eines seiner Tiere krank, pflegte er es tagelang gesund.
Er besass die seltene Gabe, Raubtiere direkt aus der Wildnis zu zähmen. Eine Praxis, die er später scharf verurteilte. Sein unerschütterliches Credo wurde: „Born Free, Live Free, Stay Free!“
Unvergessen bleibt auch die rührende Geschichte seines Löwen-Findelbabys Saida. Gemeinsam mit dem Hundewelpen Bill wuchs die Löwin handzahm bei ihm auf. Später erfüllte Werner ihr das grösste Geschenk: Er wilderte Saida erfolgreich in ihrer Heimat Afrika aus.
Das Erbe einer Legende
Anfang der 1950er-Jahre zog sich Werner Winter aus dem Scheinwerferlicht zurück. Seine grosse Liebe zu Tieren blieb ihm sein ganzes, durch Höhen und Tiefen gekennzeichnetes Leben erhalten. Am 17. Oktober 2001 verstarb Werner Winter nach langer Krankheit 77-jährig im Alters- und Pflegeheim Pratteln in der Nähe von Basel.
Was bleibt, ist die Erinnerung an einen aussergewöhnlichen Schweizer, der Geschichte schrieb. Heute ist er eine Legende und aus diesem Grund ist diese Gedenk Website, mit vielen Dokumentationen aus der Circus Vergangenheit dieses einzigartigen Raubtierdompteurs, entstanden.
Nun wünsche ich Ihnen viel Vergnügen, mit Information und Nostalgie, auf diesen Seiten.
Ihr Reto Winter
(Neffe von Werner Winter)
„Das Leben der Toten lebt weiter in den Erinnerungen der Lebenden.“
